Wo wir Recht hatten und: Das Zeitalter der Transsumenten
Ein turbulentes Jahr fliegt vorüber, und wir sollten uns mehr denn je darauf einstellen, dass wir nur über (Mega-)Trend-Kompetenz (Zukunftsletter 10/11) und wache Innovationsbereitschaft (Frugale Innovation: Zukunftsletter 5/11) die Tür zur Zukunft aufstoßen. Im Zeitraffer möchte ich Ihnen hier noch einmal wichtige Trend-Wegmarken des Jahres 2011 vor Augen führen. Trend oder Hype? Ein Datenkrake wie Facebook sollten wir nach wie vor mit Skepsis betrachten (Social-Media-Blase: Zukunftsletter 2/11). Ja, das soziale Netzwerk hat mittlerweile mehr als 700 Millionen Nutzer, aber nur rund die Hälfte (375 Millionen) ruft die Seite mindestens einmal pro Tag auf. Facebooks Momentum war 2004. Jetzt vergrault es seine Nutzer durch Hyper-Komplexität und Innovations-Aktionismus, der verdecken soll, dass Facebook keine Vision für die nächsten 10 Jahre hat. Resultat: Viele treue Nutzer wandern ab.
Wir haben zeigen können, dass Börsenlieblinge manchmal einen sehr kurzen Atem haben können. Die Social-Commerce-Plattform GroupOn (Zukunftsletter 3/11) schien zu Beginn des Jahres den Weltmarkt schneller zu erobern, als man gucken konnte. Doch der Einbruch kam genauso schnell: Das Geschäftsmodell – so unsere Prognose schon im Februar – lässt sich leicht imitieren, der hektische Roll-out verhagelte GroupOn die Bilanz. Statt auf den Durchmarsch der Großen (Amazon, Facebook, Google) zu schauen, haben wir empfohlen, von einem im Markt etablierten kleineren, aber hoch produktiven Unternehmen wie Vente Privée (Social Shopping: Zukunftsletter 7/11) zu lernen.
Wir haben Ihnen empfohlen, jetzt ernsthaft über mobiles Marketing nachzudenken, denn schon bald wird ein Großteil des Online-Konsums über Smartphones abgewickelt (Zukunftsletter 9/11). Ende September meldeten Europa, USA und Singapur zum ersten Mal mehr Smartphone- als Handy-Verkäufe. Und die einfache Zahlungsabwicklung über „mobiles Geld“, so lautete unsere Einschätzung, steht unmittelbar vor dem Durchbruch. Mittlerweile hat Google sein digitales Portmonnee (Google Wallet: Zukunftsletter 9/11) vorgestellt, und auch die Kreditkartenbetreiber stellen sich auf das Ende von Münz- und Plastikgeld ein.
Die wichtigste Erkenntnis aus der Trendwelt des Jahres 2011 ist folgende: Wir können nicht eine Marketingmaßnahme, nicht eine Produktneuerung mehr ohne das „Abnicken“ der Kunden machen. Und dieser Kunde möchte nicht mehr „Endverbraucher“, sondern Co-Produzent, „Freund“ und kritischer Nutzer sein. Wir verlassen die Ära des angebotsgetriebenen Konsums und sollten uns schnellstmöglich auf den Transsumenten einstellen. Eine neue Käufer-Spezies, die genau überlegt, ob sie besitzen oder nur nutzen möchte (Peer2peer: Zukunftsletter 4/11), die dort, wo sie sich gerade befindet, (mobil) einkaufen möchte, die die wolkigen Versprechen von hochnäsigen Marken nur noch lächerlich findet und individuelle Kommunikation (Burberry’s: Zukunftsletter 8/11) statt breit gestreuter Manipulation sucht.
Bleiben Sie hellwach! Ihr
Dr. Eike Wenzel
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