Wie Sie Trends mit Substanz aufspüren

London ist für Trendforscher ganz einfach ein Pflichtprogramm. In der Regel lässt es sich mit zwei, drei Terminen verbinden. Die Stadt, die aus allen Nähten zu platzen droht und sich immer schneller dreht, ist immer noch DER Trendindikator, zumindest in Europa. London hat unter der Krise gelitten wie ein Hund. Rund 1/3 des britischen Bruttosozialprodukts wird in der Metropolregion London erwirtschaftet. London ist nach wie vor der Taktgeber der Finanzmärkte. Wer nach Dienstleistungstrends sucht, sollte hier beginnen. London ist serviceverliebt. Was für das Königreich ein existenzielles Problem darstellt, das fast vollkommene Fehlen von Mittelstand und funktionierenden Industrien, schafft in London die Trends für die Service-Ökonomie von morgen.

 

Was gibt es Neues? Ein Handelssegment nimmt endlich Fahrt auf, das seit Jahren nach oben geschrieben wurde: Online-Supermärkte. Das Momentum ist da. Immer mehr Menschen in der Themse-Metropole reichen ihren Einkaufszettel direkt an Tesco, Marks & Spencer, Occado oder Waitrose weiter. Der noble Lebensmittel-Retailer Waitrose hat gerade 10 Millionen Pfund in sein Online-Geschäft und in Lieferservices für die Hauptstadt gesteckt. Der Großangriff auf Occado läuft, während der globale Food-Gigant Tesco seine Online-Aktivitäten ausbaut und Lieferzeiten von einer Stunde innerhalb Londons verspricht. Wm Morrison wird ebenfalls in nächster Zeit mit einem Online-Angebot starten.

 

Nicht jeder Trend lässt sich bedenkenlos auf andere Märkte, andere Kulturen übertragen. Doch die Trendhauptstadt London und die momentane Online-Offensive der Händler geben einen entscheidenden Hinweis: Unsere Mediennutzung und unsere Lebensstile führen dazu, dass Online-Shopping keine Zugangshürde und auch keinen Stilbruch mehr darstellt. Denn die nach wie vor genussverliebten Londoner drängen mehr denn je auf ihre geliebten Wochenmärkte. Die Zahl der Wochenmärkte im Vereinigten Königreich wuchs zwischen 2000 und 2010 von 200 auf mehr als 800 (1997 tauchten Wochenmärkte in der Statistik überhaupt nicht auf). Londons Bewohner konsumieren aber gleichzeitig immer intensiver virtuell, weil es sich (mittlerweile) so einfach organisieren lässt und „Zeitprofite“ verspricht.

 

Was lernen wir daraus? Wir haben es bei substanziellen Trends in der Regel mit Veränderungen zu tun, die nicht nur auf technologischen Neuerungen beruhen. Wichtige Trends entstehen dort, wo sich Menschen Technologien aneignen und für ihre Bedürfnisse einzusetzen beginnen. Beobachten Sie also nicht nur, was die Konkurrenz tut oder was andere Branchen mit Technikinnovationen anstellen. Schauen Sie genau hin, wie Ihre Kunden sich in ihrem Leben einrichten und welche Rolle dabei Technologien, Trends und Medien spielen. Wie das eine globale Geschmackselite tut, können Sie nach wie vor sehr gut an einem Hotspot wie London beobachten. – Und natürlich können Sie das in regelmäßigen Abständen, sorgfältig ausgewählt und erklärt, in unserem Zukunftsletter tun. Es ist unsere Mission, Ihnen die wichtigsten Trends aus erster Hand zu liefern.

 

Bleiben Sie hellwach!

 

Dr. Eike Wenzel

 

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