Warum die Sehnsucht nach den Sternen unzerstörbar ist

Als ich ein kleiner Junge war, fieberte ich mit den coolen amerikanischen Astronauten bei ihrem ersten Schritt auf dem Mond. Fasziniert lauschten wir den sonoren Stimmen der Weltraum-Experten, die uns in Radio und TV kosmische Formeln vermittelten. Dank Perry Rhodan, dem Space-Superman aus deutscher SciFi-Fertigung, betrat ich im Geiste mindestens 5.000 fremde Planeten. Dass die Zukunft „oben“ stattfinden würde, stand für mich außer Frage. Seitdem ist viel passiert – beziehungsweise nicht passiert. Expertenrunden im Fernsehen beschäftigen sich heute eher mit Hartz-IV-Empörungen, kleinen traurigen Schnauzbart-Männern mit Angst vor verschleierten Frauen und Bahnhöfen, die auf keinen Fall gebaut werden dürfen.

 

Seit ungefähr 10 Jahren scheint die Raumfahrt dennoch ein stilles Comeback zu erleben. Obwohl es ja, wie es jedes Kind in unserem Schulunterricht lernt, der Menschheit immer schlechtergeht, scheint sich eine hartnäckige juvenile Sehnsucht wiederzubeleben (die übrigens nicht nur Jungen haben).

 

  •  In knapp 2 Jahren starten die ersten Sub-Orbitalflüge von Richard Bransons neuem Weltraumbahnhof. Obwohl es sich nur um einen Hopser über die Atmosphäre handelt, sind die Flüge von „Virgin Galactic“ für ein Jahrzehnt so gut wie ausgebucht.
  • Das russische Unternehmen Orbital Technologies baut nun tatsächlich ein kleines Weltraumhotel – in guter, alter russischer Konservendosen-Technik.
  • Die Milliardäre des Silicon Valley haben einen Großteil ihres Geldes in private Weltraumunternehmen investiert – die ersten Raketen fliegen inzwischen zu einem Fünftel des NASA-Preises.

 

Auch in der Wissenschaft gibt es Neuigkeiten: Soeben haben die Teleskope der Erde die ersten prinzipiell bewohnbaren Planeten entdeckt – 20 Lichtjahre entfernt. Das nützt uns wenig, bringt aber eine uralte existenzielle Frage wieder hervor: Sind wir allein im Universum? Haben wir eine „Mission“?

 

Raumfahrt ist, nach allen ökonomischen und ökologischen Kriterien, unvernünftig. Und man sollte nicht vergessen, dass der „Space Race“ der 60er Jahre ein (Neben-)Produkt des Kalten Krieges war. Deshalb wird der kommende Weltraum-Boom womöglich eher durch die Systemkonkurrenz der aufsteigenden Supermächte Indien und China angefacht werden. Darüber hinaus ist die Raumfahrt eine ur-humane Metapher. Für unsere Sehnsucht nach dem Anderen, dem Fernen, dem Unmöglichen. Für unsere Fähigkeit, uns selbst aus einer anderen Perspektive zu sehen. Für unsere Möglichkeit zur Kooperation über alle Kulturschranken hinweg. Für unsere Langeweile und Ungeduld mit Hartz-IV- und Bahnhofsdebatten.

 

 

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