Mobil genießt ab sofort Marketing-Priorität

Ich gebe es gerne zu, ich bin kein großer Freund der mobilen Kommunikation. „Handys“ (dieses denglische Wortungetüm) sind die Fußfesseln der vernetzten Arbeitswelt, sie dringen penetrant bis überallhin durch. Das Mobiltelefon hat zur Geburt dieser medial-schizophrenen Zeitgenossen geführt, die plötzlich – scheinbar irre geworden – an der Fußgängerampel oder in der Straßenbahn (das Ohr diskret verkabelt) über „Wiedervorlagen“ und „Powerpoint-Folien“ zu reden beginnen. Handys bewirken die kommunikative Schredderung unseres Alltags. Aber: Sie reorganisieren auch die Business-Welt.

 

Umfragen belegen: Viele von uns können sich einen (Berufs-)Alltag ohne das Handy gar nicht mehr vorstellen. Kein Medium ist so allgegenwärtig, kein Medium lassen wir so nah an uns heran. Mobiltelefone sind die privatesten und intimsten Medien, die wir haben. Schon vor dem Aufstehen nutzen 35 % der amerikanischen iPhone- oder Android-Besitzer ihr Mobilgerät. Wir haben Angst vor der Überdosis. Doch wir können die transformatorische Kraft, die dieses allgegenwärtige Quengel- und Quassel-Medium auf Marketing, Konsum und Kommunikation in den nächsten Jahren ausüben wird, nicht mehr leugnen.

 

Nur 2 Beispiele (mehr dazu lesen Sie in der Zukunftsletter-Ausgabe September 2011):

 

  • Mobiltelefone machen aus Facebook, Google+ und Twitter erst wirkliche Social Media.

    Ein Mobiltelefon ist ungleich kommunikativer als ein PC: Es kann fotografieren, SMS und E-Mails senden und empfangen, Internet, TV, Radio, MP3, Shortmessenger, Facebook, Twitter usw. Mobiltelefone, das sind alle Medien in permanenter Vernetzung. 1,6 Milliarden Menschen haben ein TV-Gerät, 1,5 Milliarden Kreditkarten sind im Umlauf, 1,8 Milliarden Internetnutzer gibt es weltweit. Aber es sind 5 Milliarden Mobiltelefone in Benutzung.

  • Mobiltelefone schicken sich an, die Idee der Banken endgültig zum Auslaufmodell zu erklären.

    Simple Geldtransfer-Anwendungen wie M-PESA zeigen, wo wir die Bank der Zukunft finden: in den Hosentaschen der globalen Konsumenten. 25 % des BIP in Kenia wird mittlerweile über M-PESA übertragen. Die Revolution des Bankenwesens in den Schwellenländern wird durch das Handy ermöglicht. In China gibt es 597 Millionen Menschen ohne Bankkonto. Die meisten werden auch kein Bankkonto mehr benötigen, sie haben ja ein Handy.

„Mobile First“, die Devise, die Google-Gründer Larry Page ausgegeben hat, sollte auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, nachdenklich machen. Apps revolutionieren/banalisieren die Internet- Nutzung (sind aber noch kein gewinnbringendes Geschäftsmodell). Das iPad ist vor allem ein Gerät für Besserverdienende (2/3 der Nutzer verdienen mehr als 3.500 Euro pro Monat) und Männer   (82%). Das Mobiltelefon ist das Massenmedium der Zukunft.

 

Bleiben Sie hellwach!

 

Dr. Eike Wenzel 

 

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