Investieren Sie in Wertschöpfungskreisläufe statt -ketten

Wertschöpfungsketten haben einen fatalen Nachteil: Sie enden an einer Stelle – Lebensdauer erschöpft, Maschine kaputt, Ressourcen verbraucht. In den vergangenen Monaten haben wir vielleicht deshalb so viel über erschöpfte Märkte und die erschöpfte Marktwirtschaft geredet, weil unser Denken in Wertschöpfungsketten einfach nicht mehr funktioniert. Wir müssen den Sprung von der Gegenwart in die Zukunft des 21. Jahrhunderts wagen.

 

  • Im 20. Jahrhundert haben wir Produkte mit endlichen Energien und Ressourcen hergestellt. Diese Produkte landeten dann irgendwann auf dem Müllplatz und wurden zum Entsorgungsrisiko. Wohlstand produzierte Müll und häufte – wie wir heute sagen würden – versteckte Umweltkosten an.
  • Im 21. Jahrhundert müssen wir in Wertschöpfungskreisläufen denken. Jedes Produkt muss mehrere Leben haben und in Kreisläufen immer wieder „umgenutzt“ werden. Wer diese neue Produktionslogik versteht, wird weniger Ressourcen verbrauchen, billiger produzieren, weniger Umweltkosten haben und mehr verkaufen.

 

Ich erzähle Ihnen Weltverbesserungs-Prosa? Das kann sein, aber die Großen auf dieser Welt, die auch schon im 20. Jahrhundert zu den Großen gehörten, haben längst mit dem Kapitalismus der Kreisläufe begonnen. Der amerikanische Strategie-Guru Umair Haque hat dazu ein faszinierendes Buch geschrieben: „The New Capitalist Manifesto“.

 

Die Revolution setzt sich in Bewegung: Allen voran Wal-Mart, der weltweit größte Einzelhändler und mit einem ganz miesen Image ausgestattet, bietet mittlerweile Bio-Fisch an, der günstiger ist als der normale in anderen Läden. Wal-Mart ließ sich seine ökoeffiziente Fischzucht von NGOs zertifizieren (eine echte Investition in die Zukunft) und blieb mit den Preisen auf Niedrigniveau.

 

Konkurrenten, die sich ihre Nachhaltigkeit vom Kunden teuer bezahlen ließen, hatten das Nachsehen. Ebenso der geläuterte Sweatshop-Betreiber Nike. Der Sportartikelgigant nennt seine Revolution der Wertschöpfung „Considered Design“ verantwortungsvolles Design). Nike stellt beispielsweise seinen Kultlaufschuh, den Pegasus, in neuer Produktionslogik her: mit zu 83 % recycelbarer Sohle, 13 % leichter.

 

Fazit: In diesem Jahr werden 250 Mio. Nike-Schuhe als „Ökotreter“ verkauft werden.

 

Die ersten Schritte sind ganz einfach: Minimieren Sie Ihre Kosten durch Recyceling Ihrer Rohstoffe und Produkte. Arbeiten Sie daran, dass Produktion, Vertrieb und Konsum Ihrer Produkte in immer kürzeren Zeiträumen stattfinden, damit sie wieder in bestehende Kreisläufe eingespeist werden können. Sorgen Sie dafür, dass Sie enorme Kosten dadurch sparen, dass Sie nicht als wild produzierender Versorger, sondern als smarter On-demand-Lieferant auftreten (mit Ihren Lagerräumen können Sie bestimmt intelligentere Dinge tun).

 

Willkommen im 21. Jahrhundert!

Ihr

 

Dr. Eike Wenzel

 

 

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