Das Globalisierung-Prinzip: Gerade in der globalisierten Welt zählt die kleinere soziale Einheit

Das 20. Jahrhundert war vom großen Grundkonflikt der Klassengesellschaft geprägt: Staat versus Wirtschaft, links gegen rechts. In diesen Frontlinien verlaufen heute noch die meisten politischen Debatten: Soll der Staat mehr Verantwortung übernehmen? Der Einzelne alle Lebensrisiken tragen? Die Wirtschaft schärfer reguliert werden? In der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts ist diese alte Polarität weitgehend obsolet.

 

Der Staat gerät an seine Grenzen – selbst wenn er wollte, könnte er kaum noch mehr Lebensrisiken der Bürger übernehmen. Die Wirtschaft lässt sich generell nur noch selten regulieren – und wenn, dann nur zu einem hohen Preis. Der „Bürger“ fühlt sich in der Rolle des Transferempfängers abwechselnd bevormundet und unterversorgt, und eine allgemeine Kultur des Jammerns und Lobbysierens hat den politischen Diskurs ersetzt. So fahren alle Zukunftsdebatten immer im Kreis herum.

 

Dieses Ringelreihen könnte unterbrochen werden, indem wir uns wieder auf den Ursprung des Sozialwesens zurückbesinnen: die Stadt, die Gemeinde, der Stadtteil, die Region. Wenn es stimmt, dass die zentrale Ressource der Zukunft die Kooperation ist, dann liegt in der „Lokalpolitik“ das Experimentierfeld der Zukunft. Hier lassen sich soziale Konflikte lösen oder zumindest moderieren. Hier können wir heute schon spannende neue Public-Private-Partnerships erleben: im Bereich der Bildung, des Stadt-Designs, der Gesundheitsversorgung, der Arbeitsmarktpolitik, der Energie.

 

Da kaufen Gemeinden ihr Stromnetz von den Energiekonzernen zurück – und entwickeln einen regionalen grünen Stromversorger. Da gestalten Bürger ihre Ortskerne neu. Da kooperieren Gemeinden für ein neues, exzellentes Schulzentrum, in dem sich die ideologisierten Fragen der Schultrennung gar nicht mehr stellen. Da ersetzt Bürgerarbeit das Hartz-IV-Elend.

 

Wer sagt denn, dass Innovation immer nur im Bereich der Technik oder der Warenwelt stattfinden muss? Soziale Innovationen sind mindestens genauso spannend wie das neue iPad. In einer neuen Urban- und Regionalpolitik lassen sich die alten ideologischen Grenzen überwinden, Zukunft und Vergangenheit versöhnen.

 

Hier entsteht das eigentliche Kapital der Zukunft: Sozialkapital. Aber eben nicht nur durch Umverteilung und Forderungen und neue Bürokratie. Sondern durch die „3-Zukunfts-Ks“: Kommunikation, Kreativität, Kooperation.

 

 

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