Brain-Outsourcing: Mehr Hirn fürs Innovationsmanagement

Wie Sie gemeinsam mit der Öffentlichkeit Ihre Wertschöpfung steigern

„Die Erfolgsgeschichte von Linux und der Open-Source-Bewegung zeigt, dass sich Innovation künftig weniger im stillen Kämmerlein der firmeneigenen Entwicklungsabteilungen abspielen wird, sondern auf ein Netzwerk von Kooperationen setzt – mit dem Kunden und in bestimmten Fällen auch mit dem Wettbewerber“, prognostizierte der Zukunftsletter in der Ausgabe 03/2006.

 

Im „Zukunftsletter Marketing Future“ 09/2005 haben wir Ihnen erläutert, wie sich BMW die Kreativität der eigenen Kunden für Innovationen zu Nutze macht. In der Ausgabe 03/2006 haben wir davon berichtet, wie Blog-Spys immer stärker die Rolle der Marktforschung übernehmen und wie erfolgreich Unternehmen wie Zagat (Onlineführer für Restaurants etc.), Skype SA (Internettelefonie) oder MySQL (Open- Source-Software für Datenmanagementsysteme) sind, die ihre Produkte mittlerweile vollständig „durch den Markt“ entwickeln lassen.

 

Der Kunde wird zum wichtigsten Player im Innovationsprozess

 

Dass Open Innovation künftig zur Wertschöpfung beiträgt, war vielen Unternehmen zunächst undenkbar erschienen, müssen doch zunächst Firmengeheimnisse preisgegeben werden. „Nur wer sich öffnet und Externe partizipieren lässt, wird in Zukunft überlebensfähig bleiben“, davon ging der Zukunftsletter bereits vor 4 Jahren aus.

 

Heute ist der aktive Part der Konsumenten in der Wertschöpfungskette längst üblich: Sie gestalten, entwerfen und bestimmen die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen. Diese „interaktive Wertschöpfung“ hat sich zu einem wichtigen Innovationspool und damit Wachstumsmotor für Unternehmen entwickelt.

 

Die Vorreiter auf dem Open-Innovation-Markt

 

Angefangen hat es mit Plattformen wie innocentive.com oder yet2.com in den USA. Hier können Firmen ihre Probleme listen. Das auftraggebende Unternehmen lobt eine Prämie für die beste Lösung aus.

 

Inzwischen fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung das offene Innovieren. Das eigens dafür aufgesetzte Forschungsprojekt „Innovationsstrategien jenseits traditionellen Managements“ hat das Ziel, ein Managementsystem zu entwickeln, das die offene Innovationsfähigkeit in Unternehmen steigert.

 

Hierzu erhalten die Mitarbeiter auf der Basis von modernen Web-2.0- und Social-Software-Anwendungen Unterstützung durch so genannte Innovations-Communities. Für das strategische Management der Innovation im Unternehmen werden geeignete Führungs-, Motivations- und Controllingkonzepte entwickelt (www.open-i.eu).

 

 

Wie Unternehmen schon heute von fremden Ideen profitieren ― 3 Beispiele:

  1. Die Schweizer Open Innovation GmbH mit ihrer Crowdsourcing-Plattform atizo sammelt nicht nur Ideen, sondern lässt ganze Lösungskonzepte von den Crowds entwickeln. Im September 2008 wurde das Forum gelauncht. Die ausschreibenden Unternehmen kommentieren jede Idee und geben neue Anregungen. Dabei sind sämtliche Lösungsansätze für alle Innovatoren einsehbar.


  2. Tchibo hat eine eigene Plattform zum Ideenaustausch mit den Verbrauchern geschaffen. Unter tchibo-ideas sollen neue Ideen für Alltagsprobleme entwickelt werden. Der Kaffeeröster versteht das Ganze als Ideenwettbewerb und belohnt die 3 besten Ideen einmal pro Monat. Dabei geht es weniger darum, die eigene Marke zu positionieren, und auch nur in zweiter Linie um Marketing, sondern primär darum, neue Produktideen zu generieren. Einige Produktinnovationen sollen in Kürze in den Tchibo-Filialen verkauft werden.


  3. Mit dem Programm „Fly Your Ideas“ möchte Airbus Studenten und Doktoranden in den Innovationsprozess involvieren. Sie sind dazu aufgerufen, Konzepte für die Zukunft der Luftfahrt zu präsentieren. Erlaubt sind dabei sowohl Ideen über neue Materialien als auch Prozesse, Produkte, Flugzeug-Innenraumgestaltung, logistische Ansatzpunkte und operative Lösungen. Der Hauptgewinn in Höhe von 30.000 Euro wird an denjenigen vergeben, dessen Ideen das größte Potenzial für Verbesserungen haben – ein Bruchteil dessen, was Airbus damit später umsetzt.


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